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In deutschen Landen - Saalfeld vor 40 Jahren

In deutschen Landen - Saalfeld vor 40 Jahren

05.10.2012 15:50



Als ich neulich auf dem Boden vergeblich nach meinen alten Zeichnungen suchte, fiel mir ein graues in Pappe
gebundenes Notizbuch in die Hände. Sofort erinnerte ich mich, was ich darin aufgeschrieben hatte. Einen Blog!
Ach nein ohne (We)B - ein Log(buch) - also ein Tagebuch. So richtig auf Papier. Ich hatte es auf einer Schulexkursion
nach Saalfeld geschrieben. Das ist etwas mehr als 40 Jahre her! Beim Durchblättern stellte ich fest, dass ich so etwas
offensichtlich schon immer gern gemacht habe.

Alle, die es interessiert, nehme ich nun also noch einmal mit auf diese Exkursion ...


Auf der ersten Seite meines Tagebuches steht:

VII. Schulexkursion der 9. Polytechnischen Oberschule in Berlin nach Saalfeld-Rudolstadt
vom 1. bis 5. Mai 1972
Arbeitsgruppe Bildende Kunst
Stationen: Saalfeld -Rudolstadt - Burg Ranis
Unterkunft: Saalfeld-Gorndorf, Hans-Beimler-Oberschule


Die Exkursion wurde minutiös geplant und gut vorbereitet. Es folgen sieben engbeschriebene Seiten mit Tagesplänen.
Dann die Vorbereitung auf unser Reiseziel:



Saalfeld an der Saale ist eine Kreisstadt im Bezirk Gera, am Rande des Thüringer Waldes. Sie hat 32 145 Einwohner (1966).
Es gibt hier Maschinenbauindustrie, feinmechanische, optische, elektrotechnische Industrie, Süßwaren-, Farben-, Baustoff-,
Textilindustrie und polygraphische Industrie.
In der mittelalterlichen Altstadt findet man gotische Kirchen, ein Rathaus, Stadttore und das ehemalige Franziskanerkloster,
das jetzige Heimatmuseum.
Bai Saalfeld befinden sich die Feengrotten, das sind farbige Tropfsteinhöhlen.
Saalfeldwurde im Jahr Jahre 899 erstmals erwähnt. Im 14. Jahrhundert erlangte Saalfeld das Stadtrecht. Im 16. Jahrhundert
war die Blütezeit als Bergstadt.


Wo ich diese Weisheiten her hatte, kann ich heute nicht mehr sagen.

Und dann ging es los:


1.Tag - 1. Mai 1972

Wir trafen uns um 5:45 am Bahnhof Schöneweide. Unser Zug fuhr um 6:11 Uhr ab. In unserem Abteil waren 5 Jungen und 4 Mädchen.
Während der Fahrt, die vier Stunden dauerte, haben wir viel aus dem Fenster geschaut und gelesen.
Als wir 10:41 Ihr in Saalfeld ankamen, stand vor dem Bahnhof ein großer LKW der NVA. Hiermit wurden unsere Koffer zum Quartier
gefahren, wir aber mussten laufen. Endlich waren wir in der Schule, die uns für 5 Tage als Unterkunft dienen sollte, angelangt.



Nachdem Luftmatratzen, Decken und Schlafsäcke verteilt waren, gingen wir zum Mittagessen in die Stadt.
Anschließend besichtigten wir die Feengrotten bei Saalfeld.

Die Feengrotten

Die weltberühmten Tropfsteinhöhlen "Feengrotten" liegen etwa 1 km süd-westlich von Saalfeld. Diese herrliche Grotten haben ihren
Ursprung in einem zwischen 1540 und 1846 betriebenes Alaunschieferbergwerk. Im 18. Jahrhundert war es unter dem Namen
"Jeremias Glück" bekannt.

Im Laufe der Zeit bildeten sich in den 3 verlassenen Stollen durch Auslaugungen von verschiedenartigsten Mineralien durch Wasser
phantastische, buntschillernde Gebilde und Tropfsteine, sie geben den Feengrotten ihre besondere Eigenart und Farbigkeit.
Die Tropfsteine, die zapfenartig von der Höhlendecke herabhängen heißen Stalaktiten und die vom Höhlenboden säulenartig
emporwachsenden - Stalagmiten.



Im ältesten Teil der alten Bergwerksstollens befindet sich der Märchendom mit Gralsburg". Er ist mit seinen mannigfaltigen bizarren
und bunten Gebilden der Höhenpunkt dieses Naturdenkmals.



Mit einem kräftigen "Glück auf" entließ uns die Führung, nachdem wir die gesamten Grotten "befahren" hatten, und wir stiegen
aus 24 m Tiefe wieder ans Tageslicht zurück.
Laut Plan hätten wir jetzt eine Stadtführung gehabt, da wir aber jedoch alle ziemlich erschöpft waren, wurde sie in Form eines
Lichtbildervortrags auf den 3. Tag verlegt. So wanderten wir zu unserem Quartier zurück, wo wir ein kräftiges Abendbrot erhielten.
Anschließend war dann Tanz. Und um 22:00 Uhr begaben wir uns zu Nachtruhe.



2.Tag - 2. Mai 1972

Nach dem Frühstück fuhren wir gleich mit einem Linienbus zum Franziskanerkloster, dem heutigen Heimatmuseum.


Die nun folgenden Informationen habe ich offensichtlich der Ausstellung im Museum entnommen. Es sind etwas
zusammenhangslose Notizen. Aber ich muss ja damals interessant gefunden haben, sonst hätte ich es wohl nicht
aufgeschrieben ...

Das Franziskanerkloster

Das Franziskanerkloster, das sogenannte "Barfüßerkloster", wurde zwischen 1250 und 1275 gegründet.
Die Gesamtanlage wurde jedoch erst 1505 mit dem westlichen Kreuzgang vollendet. Zwischen 1551 und 1773
befand sich die städtische Lateinschule im Kloster und von 1525 bis1818 beherbergten Ost- und Nordflügel Münzen.
1725 - 29 erhielt die Klosterkirche auf Veranlassung eines Saalfelder Herzogs die Barockdecke, die den Raum gegen
den frühgotischen Dachstuhl abschließt. Die Malerei wurde von H. Gotha* ausgeführt.


* Anmerkung: hier hatte ich wohl nicht richtig aufgepasst. Es handelte sich um den Gothaer Hofmaler
Johann Heinrich Ritter.



Dazu ganz im Gegensatz standen die hohen gotischen Fenster.
1904 entstanden in einem Kreuzgang die Anfänge des Saalfelder Museums. Nachdem 1940 die Einbauten angefertigt
waren, vollendete der Rat der Stadt 1953 den Ausbau des heutigen Konzertsaales und sorgte damit für die Entfaltung
und Nutzbarmachung eines wertvollen historischen Raumes der Stadt.

Stadtbefestigung

Verteidigungsanlagen brachten einer mittelalterlichen Stadt wirtschaftliche und politische Sicherheit. Das durch
verliehene und verkaufte Privilegien betuchte Saalfelder Bürgertum errichtete bereits um 1300 eine starke wehrfähige
Stadtmauer, die heute noch etwa bis zur Hälfte erhalten ist. Die Saalfelder Stadtmauer wurde von einem Wallgraben
umgeben und besaß eine Anzahl Wehrtürme. Durch fünf Stadttore, ausgestattete mit Vorbefestigungen und
Zugbrücken, führten Straßen in alle Richtungen..

Nach der Besichtigung fuhren wir zum Bahnhof, um dort Mittag zu essen. Anschließend trafen
wir uns mit dem Leiter des Museums Herrn Werner, wieder vor dem Franziskanerkloster. Er führte uns durch die Stadt.

Stadtführung - Saalfeld

Saalfeld wurde das erste mal 899 als Königshof mit einer sehr kleinen Burg erwähnt. Es war ein sehr einfacher
schlichter Hof, umgeben von Palisaden. Innen standen vermutlich Holzhäuser. Im 11. Jh. entstand an dieser Stelle
das Benediktinerkloster. Im Jahre 1530 wurde das Kloster aufgelöst und es wurde dafür ein Barockschloss gebaut.
Die Stadt Saalfeld selbst wurde planmäßig um 1180 erst gegründet. 1208 erhielt sie Stadtrecht. Im 13. Jh. bekam
Saalfeld folgende wichtige Privilegien: Selbstverwaltungsrecht (Stadtrat, Bürgermeister), Selbstverteidigungsrecht
(Stadtmauer, Stadttore), das Recht Märkte abzuhalten, das Recht Münzen zu prägen, das Recht in der Saale zu fischen
(Wappen) und das Recht der Gerichtsbarkeit.

Um 1600 hatte Saalfeld eine unerhörte Blütezeit und zwar seit dem es ein großer Verkehrsknotenpunkt geworden war.
Es entstanden Bergbaugebiete für Silber und Kupfer, und es entwickelte sich Handel und ein starkes Handelsbürgertum.
Daraus ergab sich der Bau eines Rathauses und vieler schöner Patrizierhäuser. So hatte Saalfeld um 1500 vier- bis
fünftausend Einwohner. Saalfeld hatte insgesamt 3 Klöster: das Benediktinerkloster, das Zisterzienserkloster und das
Franziskanerkloster. Im 13. Jh. entstanden Stadtgraben und Stadtmauer mit fünf Stadttoren und vielen Wehrtürmen.

Die zum Graben hin runden Türme boten eine gute Verteidigungsmöglichkeit.

Nun zu den Stadttoren:



Oberes Tor

Dieses Tor war ein wichtiger Weg für die Handelsstraße vom Süden. Sie führte von Nürnberg nach Leipzig und war deshalb
sehr bedeutend zu Zeiten der Leipziger Messe. Die Tordurchfahrt ist gotisch, während der Dachstuhl nach einem Brand
barock gestaltet wurde. Es gibt noch ein zweites Tor in Saalfeld, das so aussieht, auch aus denselben Gründen.
Ein weiteres Tor (ist nicht mehr erhalten) soll es gegeben haben, dessen Gestalt aber unbekannt ist.

Saaltor

Dieses Tor ist ein rein gotischer Bau, mit einem gotischen Treppengiebel. Vor dem Tor befand sich ein Wallgraben mit einer
Zugbrücke, wie bei einer mittelalterlichen Burg.

Darrtor

Dieses Tor führt zum Dorf und zum alten Markt.

Burg Hoher Schwarm

Auf dem Gebäude des ehemaligen Staufischen Reichsgutes erbauten die Grafen von Schwarzburg, als mächtige Territorialfürsten und
seit 1208 Herren von Saalfeld, ihre Stadtburg. Saalfeld war zum hervorragenden Macht- und Wirtschaftszentrum der Schwarzburger
Herrschaftsgebiete geworden.

Die Burg Hoher Schwarm ist eigentlich gar keine Burg, sondern ein sogenannter Wohnturm. Ehemals saßen vier runde Ecktürme,
heute sind es nur noch zwei, auf einem quadratischen. Es wurde festgestellt, dass dieser Turm nie zerstört wurde, sondern
einfach aus Mangel an Pflege zerfiel.




Das farbige Foto ist zum Vergleich der Ausschnitt eines Fotos von Stapsi (Dieter Stapelfeld) aus unserem gemeinsamen
Sammelordner Schöne Gärten und Parks.


Man findet in Saalfeld sehr viele Renaissancehäuser. Sie entstanden unter den reichen Handelskaufleuten. Charakteristisch für
diese ist der Innenhof mit den Laubengängen und die schrägen Fenster im Flur. Das Rathaus gotisch-renaissance-Bau wurde
zu dieser Zeit von dem Bürgermeister Jakob Kelz erbaut. Die Stadtapotheke entstand 1620.

Marktapotheke

Das Gebäude der heutigen Marktapotheke war um 1180 das erste Verwaltungsgebäude der Stadt. Es war Sitz des Vogtes
bis 1208. Im 15. Jh. Diente es als Apotheke. 1880 brannte sie ab und wurde getreu dem alten Vorbild wieder aufgebaut.

Der Markt selbst war der zentrale Mittelpunkt der Stadt. Hier wurde unter den Lieden (von Läden) Ware feilgeboten.



Marktapotheke und gotische Glasfenster und Altar in der Sankt-Johanniskirche

Sankt-Johannis-Kirche

Wann die Stadtkirche ursprünglich einmal erbaut wurde, ist unbekannt. Sicher ist jedoch, dass sie im 14. Jh. abgerissen wurde und
eine neue Kirche erbaut wurde. Es war eine Hallenkirche, Eine Besonderheit an ihr ist, dass der Westturm nicht fertig geworden ist.
Im Inneren finden wir das für die Gotik so charakteristische Kreuzgewölbe. Auffallend sind die herrlichen Glasmalereien an den hohen
Fenstern.

Schlösschen Kitzerstein

Dieses Schlösschen wurde von einem Adligen als Schloss gebaut. Wir finden Merkmale zweier Epochen: Gotik (Erker, spätgotisches
Portal) und Renaissance (Sitznischen, Ziergiebel). Heute dient Kitzerstein als Musikschule.



Zu beachten sind die Kapitäle und die Sitznischen

Nachdem wir uns bei unserem Stadtführer bedankt und verabschiedet hatten, fuhren wir zur Unterkunft und aßen
Abendbrot. Anschließend hatten wir freie Zeit bis zur Nachtruhe und wir konnten selbst etwas unternehmen.


Noch eine Anmerkung zu den Texten in diesem Abschnitt. Einen Teil der Notizen habe ich wohl direkt während der Führung
mitgeschrieben. Ich denke aber, dass ich einiges später noch ergänzt habe, denn ich habe zwar keine wörtlichen Zitate,
aber inhaltliche Parallelitäten zu den Erläuterungen auf der Rückseite des Stadtplans, den ich für 1,80 DDR-Mark
als wissbegierige Schülerin damals erstanden hatte, gefunden.



Auf diesem Plan kann man auch ganz gut unseren Rundgang durch den Stadtkern Saalfelds nachvollziehen:

* Franziskanerkloster/ Museum - 39
* Blankenburger Tor - 60
* Saaltor - 57
* Darrtor - 58
* Burg Hoher Schwarm - 65
* Sankt-Johannis-Kirche - 16
* Schlösschen Kitzerstein - 64


3. Tag - 3. Mai 1972

Gleich früh morgens nach dem Frühstück fuhren wir mit dem Bus zum Bahnhof und dann mit dem Zug nach Rudolstadt.



Dort trafen wir uns mit Herrn Dr. Deubler auf der Heidecksburg.

Die Heidecksburg

Die Heidecksburg ist das größte thüringische Museum, ein Kunstmuseum. Es enthält Fest- und Wohnstätten, eine
Gemäldegalerie, eine historische Abteilung, eine Waffensammlung, ein Naturkundemuseum.
Ein kleines 1735 erbautes Schloss brannte nieder. Da die Fundamente erhalten blieben, erbaute man 1734 ein
Barockschloss.
1744 war der Rohbau beendet. Die Baumeister und Künstler kamen aus Dresden.
Wir finden heute mehrere Stilepochen in der Burg. Die ältesten Teile sind gotisch, denn schon im Jahre 800 entstanden
erste Burganlagen. Die neue Burg, nunmehr ein Steinbau entstanden 1345, denn die romanische wurde zerstört. Nun
entstand an dieser Stelle die nächste Burg. Sie wurde von dem Dresdner Baumeister Knöffel begonnen. Die Innenräume
sind Rokoko und zum Teil auch Klassizismus. Friedrich Schiller und Humboldt weilten sehr gern in dieser Burg.



Hauptflügel

Der Treppenaufgang zeigt deutlich den Übergang vom Rokoko zum Klassizismus. Das Prunkschlafgemach besteht aus
dem Alkoven, einem Aufenthalts- und Empfangsraum. Bezeichnend sind die barocken Deckenbilder. Die Motive sind
sehr legendär: aus verschiedenen Göttersagen, die beiden Gestalten Luna und Aphrodite. Auf dem Mobiliar finden wir
Keramik aus dem 17. Jh. aus China und Japan.
Der rote Audienzsaal eine sehr auffallende Ofennische. Die Öfen in der Burg sind alle nach einem Prinzip gearbeitet:
unten Gusseisen, oben Ton. Außerdem sind sie alle von außen heizbar.
Im großen Festsaal haben wir wieder ein großes Deckenbild und einen herrliche Musikempore. Außerdem fallen drei
große schwere Kronleuchter auf.
Der Grüne Saal ist hauptsächlich im Spätrokoko gestaltet. Es ist sehr schlicht, doch die Symmetrie kehrt wieder.
Im grünen Eckraum ist das interessanteste eine große Augsburger Uhr, die sogar noch geht. Sie ist mit Monats-, Tages-,
Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger ausgestattet.
Im Empfangsraum findet man eine Empire-Ausgestaltung, aber auch Klassizismus. Der Raum wurde umgestaltet, weil
er als Empfangsraum mit der Mode mitgehen musste. Wir finden hier Halbreliefs und Abgüsse von Originalen.

Nebenflügel

Im Nebenflügel befinden sich zunächst der Garderobenraum der Fürstin. Er ist ganz mit Schränken ausgefüllt. Dann der
Schlafraum, in dem besonders der Spiegel und die Stoffmalerei an der Wand erwähnenswert erscheinen.
Im Schreibzimmer findet man einen sehr hübschen Kronleuchter aus Porzellan, was ja schließlich eine Seltenheit ist.
Dann wäre noch der Rote Salon mit einer Renaissancedecke (weil dieser Teil vom Brand verschont blieb) und das
Klausurzimmer, in dem Werke von Klauer zu sehen sind, zu nennen. Und schließlich noch die Barockgalerie mit einer
Hochzeitstruhe, die 1601 geschnitzt wurde.

Nachdem wir diese ganzen Räume besichtigt hatten, durften einige von uns mit auf den Glockenturm steigen. Von hier
hatte man einen herrlichen Überblick über ganz Rudolstadt. Schließlich gingen wir zum Mittagessen in den "Löwen"
und durften anschließend einen kleinen Stadtbummel auf eigene Faust machen. Später trafen wir uns wieder mit
Herrn Deubler und er führte uns durch die Stadt.

Stadtführung - Rudolstadt

Zunächst zum Markt. Er spielte den weltlichen Mittelpunkt. Rudolstadt war eine sehr kleine Stadt, sie bestand zum
größten Teil aus Handwerkern und Ackerbürgern. Der Marktplatz lag bis 1445 außerhalb der Stadt, erst dann wurde
Rudolstadt bis zur Saale hin erweitert. Rudolstadt besaß insgesamt 3 Rathäuser, die nachweisbar sind. Das erste ist ein
Renaissancehaus. Es erhielt Turm und Erker erst 1912 dazu. Das ältere Rathaus ist im fränkischen Stil erbaut, es diente
noch bis 1911 als Rathaus. Das allerälteste Rathaus ist ganz klein und hat um sich herum auch einen ganz kleinen Markt.

Den kirchlichen Mittelpunkt bildet die Stadtkirche …




Hier habe ich es mir damals einfach gemacht und einfach ein Informationsblatt über die Kirche in mein Tagebuch
eingeklebt, das ist natürlich hier nicht abschreibe. (Sollte es von Interesse sein, könnte ich es noch einscannen.)

Schließlich verabschiedeten wir uns von Herrn D. und fuhren zurück nach Saalfeld. Nach dem Abendbrot sahen wir
einen Lichtbildervortrag, vorgeführt von dem Direktor der Schule. Anschließend hatten wir noch etwas Zeit und dann
mussten wir schlafen gehen.



4. Tag - 4. Mai 1972

Diesmal fuhren wir mit dem nach dem Frühstück mit dem Bus nach Ranis und besichtigten dort die Burg,
geführt durch Herrn Schache, Leiter des Museums.



Burg Ranis

Diese Burg diente hauptsächlich der Verteidigung. Sie ist auf einem Zechsteinriff, das nach 3 Seiten steil abfällt, gebaut.
Außerdem wurden zusätzliche Wehranlagen (Doppelmauern) bestehend aus Zechsteinkalk, Tonschiefer und Grauschlacke,
angebracht. So gibt es auch zwei Burggräben. Ranis hat zwei Türme, den Bergfried und den Hungerturm.
Unter der Burg hat man eine Höhle entdeckt, die Ilsenhöhle. Hier wurden Zeugen von Altmenschen der letzten Zwischeneiszeit
vor 40000 Jahren entdeckt. Man spricht von der 1000-jährigen Burg Ranis. Es ist wahr, dass im 10.-11. Jh. hier eine kleine
Burg stand. Ein Steinhaus mit zwei Stockwerken mit je zwei Zimmern.
Das Verlies im sogenannten Hungerturm, wird auch "Angstloch" genannt. Eine Öffnung befindet sich in der Decke. Das ist der
einzige Zugang. Das Verlies ist neun Meter tief. Der Bergfried ist ein Turm, der zwar aus der älteren Etappe des Bestehens Ranis`
stammt, sich aber außerhalb der Mauer befindet. Er ist 38 Meter hoch.



Zu erwähnen wäre nun noch der kleine Wurzgarten, ein Plateau, von dem man einen herrlichen Ausblick auf die Landschaft hat.


Von der Führung auf Burg Ranis ist mir eigentlich nur etwas in Erinnerung geblieben, was mich damals als Jugendliche total verblüfft
hatte: ich erfuhr von einem sogenannten "Toilettenerker" ... ob es der Erker ist, den man auf der Postkarte sehen kann, weiß ich
aber nicht mehr genau.

Nach Besichtigung der Burg fuhren wir mit dem Bus nach Krölpa und von dort nach Saalfeld zurück. Dort angelangt mussten
wir auch schon wieder unsere Koffer packen.


Hier ein Auszug aus dem Tagesplan des 4. Exkursionstages :o)



Ich sag's ja - gute Planung ist alles. (Die farbigen Textmarkierungen habe ich jetzt nachträglich hinzugetan.)


5. Tag - 5. Mai 1972

Heute mussten wir noch vor dem Frühstück usnere Koffer nach unten bringen und sie wurden dann wieder mit
dem LKW der NVA zum Bahnhof gefahren.


(Der aufmerksame Leser wird bemerken, dass hier der tatsächliche Verlauf vom Tagesplan (siehe oben) abweicht.
Entweder wir hatten das Zeitfenster für die Abgabe der Koffer verpasst oder man hatte den wenig sinnvollen Plan,
die Koffer bereits vor der Nacht wegzugeben, aufgegeben … )

Wir fuhren nach dem Frühstück mit dem Bus quer durchs Schwarzatal. Wir fuhren durch viele Orte, doch wir
stiegen nur dreimal aus.

Das erste Mal in Schwarzburg. Dort besichtigten wir den Kaisersaal.



Als nächstes stiegen wir in Oberweißbach aus und kletterten dort auf den Fröbelturm.



Das letzte Mal hielten wir in Lauscha. Dort besichtigten wir das Glasbläsermuseum und gingen zu einem Glasbläsermeister,
der uns zeigte, wie Vasen, Glasnippes und Weihnachtsbaumschmuck entstehen.


Es ist mir zwar etwas peinlich, aber ich habe mir damals etwas von diesem Glaskitsch mitgebracht und es tatsächlich
auch auf dem Boden wiedergefunden. Für euch habe ich es nun noch einmal hervorgeholt und in Szene gesetzt.
(Dabei habe ich gemerkt, dass Glas fotografieren auch gar nicht so einfach ist...)



Schließlich landeten wir wieder in Saalfeld.



Dort stiegen wir in den Zug und fuhren nach Berlin. Im Zug wurde uns allen klar:
"Das waren 5 sehr schöne Tage. Auf Wiedersehen!"


Bei der Wiedergabe der letzten Zeilen habe ich etwas gezögert … aber ich war damals wirklich so begeistert und die Worte
spiegeln meinen jugendlichen Enthusiasmus von damals einfach nur wieder. Einige der Stationen dieser Exkursion habe ich tatsächlich
in späteren Jahren wieder besucht. Also - vielleicht, wenn es euch nicht langweilt - erweitere ich diesen Blog einmal ...


Alle Schwarzweiß-Fotografien in diesem Blog sind Ansichtskarten, die ich in mein Tagebuch geklebt hatte.



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Kommentare
  • Ego
    09.10.2012 21:40

    Danke für diesen schönen Blogbeitrag, er ist etwas ganz Besonderes!


  • Stapsi
    09.10.2012 21:30

    Zitat: "Das waren 5 sehr schöne Tage. Auf Wiedersehen!"

    Euer 5. Reisetag war ja vollgepackt mit Exkursionszielen. Und ich muss schon sagen, dass der Organisator die Route nicht zufällig wählte, sondern ganz offenbar profunder Kenner unseres schönen thüringer Landkreises Saalfeld-Rudolstadt war. (Is gleich bissl Werbung).

    Natürlich könnte ich das eine oder andere Detail beisteuern, aber ich möchte die ungezwungene heitere Erzählung einer 15jährigen nicht durch Exkurse zerreißen.
    Mich hat Dein Beitrag sehr gefreut, so dass der Wunsch nach einer Erweiterung des Blogs sicher nicht nur von mir erhofft wird.


  • Stapsi
    07.10.2012 22:00

    Dank für den 3. Exkursionstag mit der Heidecksburg. Der genannte Museumsdirektor (Dr. D.) war Dr. Deubler, profunder Kenner des Landkreises Rudolstadt und Begründer der weit über die Grenzen des Landkreises hinaus bekannten und bereits im 58. Jahr erscheinenden "Rudolstädter Heimathefte". Damit hat es eine Bewandnis, denn Dr. Deubler, obwohl oder vielleicht gerade weil parteilos, gelang es, ab Mitte der 1950er Jahre in dieser Publikation u. a. über die Historie der Schwarzburger zu berichten, Berichte und Dokumente, die von den Rudolstädtern förmlich aufgesaugt wurden, gerade in der DDR-Zeit. Gegen diese Art von (National-)Stolz hatte die Partei der Arbeiterklasse natürlich erhebliche Einwände. Aber gerade die normalen Bürger, Leser der "Volkswacht", Teilnehmer an sozialistischen Treffs, Kampfgruppenmitglieder, an der Front der sozialistischen Arbeit für Frieden und Sozialismus kämpfenden Brigademitglieder, wollten alles über ihre alten Fürsten wissen. Und waren stolz auf sie. Und das Landratsamt (früher Kreisrat) bezuschusste die Broschüre, denn sie wurde preiswert angeboten, für jeden Arbeiter erschwinglich. Nach der Wende gab es Aufkleber "Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt" mit altem Wappen, die von Fanatikern sogar aufs Auto geklebt wurden. Natürlich hatte Dr. Deubler gegen politische Anfeindungen zu kämpfen. Als das lebende Lexikon der Rudolstädter Geschichte war er aber de fakto "unaustauschbar" gegen "maximus/lenimus-studierte" Parteigenossen.

    Nach der Wende, etwa seit Ende der 1990er Jahre, wurde die drucktechnische Vorstufe für die Rudolstädter Heimathefte unserer Agentur übertragen. War bis vor wenigen Jahren die Bezuschussung dieses Periodikums problemlos gelaufen, wollte man seitens des Landratsamtes mit Beginn der Einsparhysterie die Mittel dafür ersatzlos streichen. Wir suchten und fanden Wege, die Finanzierung durch Werbeanzeigen zu sichern und mussten trotzdem kämpfen, dass der Landkreis weiterhin als Herausgeber fungiert. Dazu gab es in der Presse konträre Stellungnahmen. Die Öffentlichkeit wunderte sich: Diese geschichtlich hochinteressante Publikation hatte trotz politischer Anfeindung mehr als 30 Jahre DDR-Zeit überstanden. In der Bundesrepublik sollte sie wegen eines relativ bescheidenen Zuschusses sterben. Wir machen weiter!


  • .BiL.
    07.10.2012 14:24

    @Stapsi: genau. Die Zeichnungen sind vor Ort im Skizzenblock entstanden. Zuhause dann habe ich sie ausgeschnitten und in dieses Buch zu den Texten geklebt. Nun habe ich sie praktisch digital wiederum ausgeschnitten, weil ich nicht immer die ganzen Seiten zeigen wollte ... Erkennst du etwas wieder?


  • Maxi
    07.10.2012 14:20

    So was habe ich leider nicht. Aber die ehmalige Klassenleiterin meines jüngeren Sohnes hat mir letztens ein Diktatheft von ihm aus der 1. Klasse gebracht. Das war auch sehr interessant. Und das Hausaufgabenheft mit den vielen Einträgen auch!!!


  • Stapsi
    07.10.2012 14:15

    Ganz erstaunlich, mit welcher Übersicht und mit welchem Fleiß Du diese Exkursion bewahrtest.
    Sind die 7 Zeichnungen alle an diesem Tag eintstanden, mit Skizzenblock und Bleistift in der Hand an Ort und Stelle? Respekt!
    Bin auf die Fortsetzung gespannt. Saalfeld scheint ja eine sehr interessante Stadt zu sein.


  • .BiL.
    07.10.2012 14:14

    Vielleicht hat ja der eine oder andere von euch auch solche Fundstücke auf dem Boden?


  • Maxi
    07.10.2012 12:57

    Ich muss sagen, du warst sehr aufmerksam und voller Elan bei dieser Exkursion. Deine Aufzeichnungen und Zeichnungen sind lesens- und sehenswert. Kompliment!! bin sehr auf die Fortsetzung gespannt!!


  • .BiL.
    06.10.2012 18:32

    @Stapsi: Ja, Gorndorf ist es - siehe oben:

    Zitat
    Unterkunft: Saalfeld-Gorndorf, Hans-Beimler-Oberschule

    Manche Stadtteile und Gebäude wurden ja in den letzten Jahren auch dem Erdboden gleichgemacht, "niviliert" oder zu Geisterstädten. Deshalb meine Frage. Mein Herz hängt da nicht dran. Da ist die Altstadt schon interessanter. Ich will mal noch weiter in meinem Fotoarchiven kramen, denn ich war vor ca. 20 Jahren noch einmal in Saalfeld - mit den Kindern. Vielleicht habe ich da Vergleichsfotos. Oder ich fahre noch einmal hin ...
    Aber nun werde ich erst einmal diese Reihe hier weiterführen...


  • Stapsi
    06.10.2012 15:25

    Saalfeld hat sehr viele Schulen. Dem Umfeld nach ist es eine Schule im Stadtteil Gorndorf, wo man eine Satellitenstadt auf die Wiese gebaut hat. Das Bild zeigt ja deutlich die Bauphase und im Hintergrund einige der zig neuen Häuserblocks. Komme selten in diese Gegend. Die Schule wird es wahrscheinlich noch geben, obwohl nach der Wende auch hier viel umgestaltet wurde. Aber ich werde mich kundig machen und dann melden. Das riesige Wohnungsbauprojekt entstand vor allem für die Kumpel der benachbarten Maxhütte, heute Stahlwerk Thüringen.


  • Maxi
    06.10.2012 13:32

    Ich schließe mich den "Vorrednern" an - sehr interessant.


  • .BiL.
    05.10.2012 22:10

    Stapsi, was sagst du zu der Schule - gibt es die noch?


  • Stapsi
    05.10.2012 21:25

    Ich bin hin- und hergerissen. Das ist ja herrlich, in dieser Form aus Deiner Schulzeit über Saalfeld zu lesen.
    Bin höchst gespannt, was ihr alles noch erlebt habt.


  • Ego
    05.10.2012 18:01

    Na das ist ja mal was! Danke, dass du uns daran teilhaben lässt! Bin neugierig, wies weiter geht ...


  • Elfe
    05.10.2012 17:54

    Sehr interessant! Was man doch so alles ausgraben kann. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung!




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